Am Ende hatte sich alles gelohnt: Zwei Jahre Vorbereitung, unzählige Bündnistreffen, der Gang vor das Verwaltungsgericht Dresden, das zwei Tage vor der Demonstration die anmaßenden Auflagen des Landratsamtes Meißen kippte, die viele Fahrerei und der ganze Ärger: Am 21. Juni hat der Aktionstag des Bündnisses „Deutsche Stimme abschalten!“ in Riesa erfolgreich stattgefunden.
Er begann am Vormittag mit einer „wandernden Präsentation“ der neuen Neofaausstellung, die vom Rathausplatz über die Hauptstraße zum Kino führte, vor dem das Bündnis einen Infotisch aufgebaut hatte. Dahinter hing die Ausstellung an einem (extra aufgestellten) Bauzaun, die Idee funktionierte gut und kann nachgenutzt werden. Anschließend versammelten sich die Demonstrationsteilnehmer in der Nähe des Gewerbegebietes, in dem der Verlag der „Deutschen Stimme“ sitzt. Mehr als 200 Demonstranten waren es nicht, das war der einzige Wermutstropfen dieses Tages. Doch angesichts dessen, dass sächsische Antifas zeitgleich gegen einen Naziaufmarsch protestierten und die Kleinstadt Riesa für eine bundesweite Demonstration doch etwas abgelegen ist, entsprach die Beteiligung wahrscheinlich den Möglichkeiten. Gut vertreten war auf jeden Fall die sächsische Polizei, die bestimmt mehr Beamte (vor allem aus Leipzig und Dresden) im Einsatz hatte, als Demonstranten anwesend waren. Dieser „Großeinsatz“ spiegelte in gewisser Weise auch die Unsicherheit der örtlichen Behörden im Vorfeld des Aktionstages wieder. Noch nie hat es in Riesa eine öffentliche Aktion direkt vor dem Gebäude des Verlages gegeben, seit die „Deutsche Stimme“ vor 14(!) Jahren aus dem oberbayerischen Dorf Sinning vertrieben und nach kurzem Halt in Stuttgart in Riesa ansässig wurde. Dass dies der eigentliche Skandal ist, der das Städtchen in ein denkbar schlechtes Licht rückt, ist der Mehrheit der Riesaer Bürgerinnen und Bürger nicht bewusst. Im Stadtrat verfügt die NPD über 2 Sitze, genauso viele wie die SPD. Das Gebäude in der Geschwister-Scholl-Straße hat sie von der örtlichen Volksbank erworben und die NPD-Kader gelten als freundliche Nachbarn und Geschäftspartner. Am Anfang entwickelte sich die NPD Immobilie sogar zu einer Art sozialem Treffpunkt. Fast eine bemerkenswerte Aktion, dass die Stadt- um Abgrenzung bemüht- wenigstens die Straße in „Geschwister-Scholl-Straße“ umbenannte. Besonders willkommen fühlten sich die Demonstrationsteilnehmer auf ihrem Marsch und bei der Abschlusskundgebung nicht. Zwar hielten sich Nazipöbeleien in Grenzen, doch auf viele Anwohner der Demonstrationsroute wirkte der Zug wohl bestenfalls exotisch. Mehr darüber weiß die NSA, weil die die Kommentare kennt, mit denen die von Fenstern und Balkonen aus geschossenen Handyfotos gepostet wurden. Gewisse Gereiztheiten wurden auf jeden Fall bei den Bewohnern der Einfamilienhäuser rund um den Kundgebungsplatz deutlich. Zwar hatte die Polizei das NPD-Gebäude weiträumig mit Gittern abgesperrt, aber offensichtlich nicht über die Straßensperrung informiert. Doch letztlich war das bedeutungslos. Auf der Abschlusskundgebung kamen endlich einmal die zu Wort, die der NPD und den menschenverachtenden und rassistischen Hetzern von der „Deutschen Stimme“ die beschauliche Ruhe in Riesa nicht gönnen. So Andreas Näther vom „Riesaer Appell“, der sich für die Möglichkeit bedankte, das 1. Mal auf öffentlichem Gelände gegen die NPD protestieren zu können. So die Landtagsabgeordneten Henning Homann von der SPD und Kerstin Köditz von der Linken, die die Rolle der NPD als „Hinterland“ regionaler Nazibanden aufdeckten. Und „Feine Sahne Fischfilet“ spielte auf. Jene Band, die im letzten Jahr aus Riesa ausgeladen wurde, weil sich die NPD im Stadtrat über den geplanten Auftritt der „Linksextremisten“ beschwert hatte. Am Abend wurde ihr Konzert zur großen Freude ihrer Fans, die schon bei der Kundgebung mitgetanzt hatten, im örtlichen Jugendklub nachgeholt. Wahrscheinlich war der größte Erfolg des Aktionstages, bewiesen zu haben, dass demokratische Grundregeln auch in sächsischen Kleinstädten gelten. Dass die schweigende Akzeptanz von Nazis durchbrochen werden kann und durchbrochen werden muss. Die Bündnispartner vor Ort, zermürbt von vergeblichen Kämpfen gegen schweigende Mehrheiten haben neue ermutigende Erfahrungen gewonnen. Und das muss weitergehen. So lange, bis die „Deutsche Stimme„ eines Tages auch aus Riesa vertrieben wird.
In „Hör- und Sichtweite“ der NPD
16. Juli 2014
Beschlüsse des Bundeskongresses
14. Juli 2014
Der Bundeskongress bzw. der damit befasste Bundesausschuss fasste 14 Beschlüsse zu folgenden Themen:
Beschluss 1 Neofaschismus
Beschluss 2 Geschichte
Beschluss 3 Rassismus
Beschluss 4 Antiziganismus
Beschluss 5 und 5a Nie wieder Krieg/Bundeskommission Frieden
Beschluss 6 Bespitzelung beenden
Beschluss 7 Deutschland muss zahlen!
Beschluss 8 Kinder des Widerstands
Beschluss 9 Oktoberfest-Attentat
Beschluss 10 Strukturkommission
Beschluss 11 Zu Ehren von Kurt Goldstein
Initiativbeschluss 1 Den Skandal der Ehrung von NS-Sklavenhaltern endlich beenden
Initiativbeschluss 2 Zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)
Initiativbeschluss 3 Stoppt die Gewalt in der Ukraine! Stoppt die NATO! Stoppt die Nazis!
Alle Beschlüsse gibt es hier als pdf-Dokument: alle Beschlüsse des 5 Buko
NPD zeigt Geschäftsführer der VVN-BdA e.V. wegen übler Nachrede an
20. Juni 2014
Getroffene Hunde bellen heißt es im Volksmund. So auch in Riesa. Der „Deutsche Stimme“ Geschäftsführer Peter Schreiber hat den Bundesgeschäftsführer der VVN-BdA e.V. Thomas Willms wegen „übler Nachrede“ angezeigt. So ist es jedenfalls auf der Homepage, hups „Heimatseite“, der NPD Meißen zu lesen. Vorwand ist das Flugblatt mit dem für den morgigen Aktionstag gegen den „Deutsche Stimme Verlag“ in Riesa mobilisiert wird. Schreiber will einen Stapel davon im Rathaus von Strehla entdeckt haben. Er zitiert daraus: „Neonazi-Zeitungen an Kiosken sind eine Art Körper-verletzung. Ihr Ziel ist die Verletzung der Würde, Freiheit und körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen. Die „Deutsche Stimme“, die Parteizeitung der NPD, ist eines dieser Produkte“. Klug erkannt, deshalb findet der Aktionstag schließlich statt. Erinnert sei an dieser Stelle auch an das Plakat „Gas geben!“ mit dem die NPD u.a. vor dem Jüdischen Museum in Berlin für sich geworben hat. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) e.V., steht hinter ihrem Geschäftführer und blickt den Dingen, die da kommen gelassen entgegen. Schließlich fordern wir seit Gründung der NPD 1964 das Verbot der Partei. Unser Name bleibt Programm. NPD -Verbot jetzt – Deutsche Stimme abschalten! Deutsche Stimme“ verstummen lassen! Keine Ruhe für Nazis & Rassisten!
Verwaltungsgericht hebt Auflagen des Landratsamts Meißen auf – Demonstration darf zur „Deutschen Stimme“ ziehen
19. Juni 2014
Die Demonstration “ Deutsche Stimme verstummen lassen“ darf in Hör-und Sichtweite des Sitzes „Der Deutschen Stimme“ der NPD in der Geschwister-Scholl-Straße stattfinden. Damit gab das Verwaltungsgericht Dresden der Beschwerde des Anmelders der Demonstration recht. Das Landratsamt hatte zuvor die Auflage erlassen, dass die Abschlusskundgebung in etwa 1 Kilometer Entfernung stattfinden dürfe. Begründet hatte sie dies kurz und knapp mit „Brandschutz“. Der Demonstrationszug eines breiten Bündnisses von Gegner_innen der Neonazipartei darf demnach bis zur Ecke „An der Obstplantage “ laufen. Das ist kurz vor der Geschäftsstelle der Deutsche Stimme. Danach findet die Abschlusskundgebung am Beginn der Geschwister-Scholl- Straße, am Mahnmal für die „Weiße Rose“ der Widerstandsgruppe gegen des NS-Regime, der die von den Nazis 1943 ermordeten Geschwister Hans und Sophie Scholl angehörten, statt. Wir freuen uns auch auf den Beitrag der Band“ Feine Sahne Fisch Filet“ zur Abschlusskundgebung. Wir freuen uns, dass die skandalösen Auflagen des Landratsamtes vom Tisch sind, die eine unzumutbare Beschneidung des Rechts auf Meinungsäußerung und des Demonstrationsrechts beinhaltet hatten. Das ist eine gute Entscheidung für die Zivilgesellschaft von Riesa und alle Gegner_innen von Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus. Wir sehen unser Engagement auch als „Brandschutz“ gegen die geistigen Brandstifter der NPD an. Der Auftakt der Demonstration ist ab ab 12 Uhr an der Glogauer Straße, nähe Riesapark und setzt sich ab 13 Uhr in Bewegung.
Deutsche Stimme“ verstummen lassen!
Keine Ruhe für Nazis & Rassisten!
„Feine Sahne Fischfilet“ kehren nach Riesa zurück!
19. Juni 2014
Anlässlich des Aktionstages gegen die „Deutsche Stimme“ gibt die Rostocker Punk-Band „Feine Sahne Fischfilet“ ein Konzert im Jugendzentrum „U-Punkt“. Die Band war 2013 vom Stadtfest Riesa ausgeladen worden, was nunmehr korrigiert wird! Mit den Riesaer Bands „Grey“ und „Nasty Pack“ als Vorgruppen. Zeit und Ort: U-Punkt, Greizer Str. 2, Riesa, Ortsteil Weida Beginn: 18 Uhr Solibeitrag 5 € Feine Sahne nehmen an der Kundgebung gegen die „Deutsche Stimme“ ab 12 Uhr teil und werden schon mal ein Liedchen singen.
Sächsische Zustände?
13. Juni 2014
Versammlungsbehörde will Kundgebung vor der Deutschen Stimme untersagen!
Dass die NPD uns in Riesa in der Geschwister-Scholl-Straße nicht willkommen heißt, liegt auf der Hand, aber dass die Versammlungsbehörde sie dabei unterstützt ist ein Skandal!
Am 21. Juni 2014 führt das Aktionsbündnis „Deutsche Stimme abschalten“ den Aktionstag „Deutsche Stimme zumachen!“ durch. Nachdem im vergangenen Jahr das Elbehochwasser den geplanten Aktionstag buchstäblich ins Wasser fallen ließ, hoffen wir dieses Jahr trockenen Fußes in die Geschwister-Scholl-Straße zu gelangen.
An dem Bündnis sind u.a. der Riesaer Appell, die SPD Sachsen, Bündnis 90/Grüne Sachsen, DIE LINKE Sachsen, der DGB-Kreisverband Meißen, die IG Metall Riesa, ver.di Riesa, die VVN-BdA und der der Förderverein Ehrenhain Zeithain beteiligt.
Eine Woche vor unserer geplanten Demonstration gegen und zur „Deutschen Stimme“ der NPD besorgt die Versammlungsbehörde des Kreis Meißen das Geschäft der Neofaschisten. In dem Auflagenbescheid zur Demonstration, die vor die Tür des Neonazizentrums in der Geschwister-Scholl-Straße führen soll, will sie die geplante Abschlusskundgebung nur einen Kilometer entfernt in der Segouer Straße/ Erfurter Straße genehmigen. Das ist weder in Hör-geschweige denn in Sichtweite der NPD-Zentrale und des Deutschen Stimme Verlags.
Damit unterstützt sie aktiv das Anliegen der Neofaschisten, in Riesa einen ruhigen Ort für ihre rassistischen, neonazistischen „Geschäfte“ gefunden zu haben.
Auch der geplante Auftritt der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ bei der Abschlusskundgebung, die sich aktiv gegen Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzt, ist ihnen ein Dorn im Auge. Diese wurde bereits im vergangenen Jahr, nach angekündigten Protesten der NPD, vom Riesaer Stadtfest ausgeladen.
Wir werden gegen den Auflagenbescheid juristisch und politisch vorgehen und sind froher Hoffnung, dass dieser Skandal die Mobilisierung unterstützt.
Unser Ziel bleibt“ Deutsche Stimme abschalten“ und „Keine Ruhe für Nazis und Rassisten!“
Der neue Bundessprecher_innenkreis
3. Juni 2014
In großer Einmütigkeit wählte am 1. Juni 2014 der Bundeskongress den neuen Bundessprecher_kreis. Er ist vereinsrechtlich der Vorstand der VVN-BdA. Seine Mitglieder gehören außerdem dem Bundesausschuss der Vereinigung an, in den die Landes- und Mitgliedsvereinigungen Vertreter entsenden und der zwischen den Bundeskongressen das höchste Organ der Organisation ist.
Von links nach rechts: Ulrich Schneider (aus Kassel, Bundessprecher, Generalsekretär der FIR), Cornelia Kerth (aus Hamburg, Vorsitzende), Dr. Regina Girod (aus Berlin, Bundessprecherin, Chefredakteurin der „antifa“), Regina Elsner (aus Hoyerswerda, Schatzmeisterin), Dr. Axel Holz (aus Schwerin, Vorsitzender), Ulrich Sander (aus Dortmund, Bundessprecher)
Die Zukunftswerkstatt
3. Juni 2014
Im Zentrum des Kongresses stand eine zweiteilige Zukunftswerkstatt. Es handelt sich dabei um eine basisdemokratische Methode zur Problemanalyse und Problembearbeitung. Die Delegierten und Gäste wurden zunächst per Los in kleine
Gruppen zusammengewürfelt, die sich der Frage widmeten, welche Themen an diesem Tag besprochen werden sollten.
Die Vorschläge wurden gesammelt und von den Anwesenden „abgepunktet“. In einer zweiten Runde wurden die am stärksten nachgefragten Themen in neuen und diesmal nach Neigung besetzten Gruppen diskutiert. Die Anträge zum Bundeskongress, die sich mit diesen Themen mehr oder weniger deckten, wurden mitdiskutiert.
Diese Methode wurde auf Bundesebene zum ersten mal angewandt. Es stellte sich heraus, dass die Gelegenheit zur intensive Diskussion mit großem Engagement genutzt wurde. Die Teilnehmer_innen konnten sich viel stärker in den Kongress einbringen als früher.
Als Ergebnis entstand eine ad-hoc-Ausstellung der diskutierten Vorschläge und Ideen.
Heinrich Fink Ehrenvorsitzender
3. Juni 2014
Politischer Bericht
1. Juni 2014
Bundeskongress 2014, Geschichtspolitik, nonpd, Riesa, Rostock
6.000 Menschen nahmen im August 2012 an einer Demonstration zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen von 1992 teil. Von der autonomen Antifa über die SPD bis zu Kindern aus dem Viertel reichte die Breite der Bewegung. Aus mehreren Bundesländern waren Kameradinnen in Bussen angereist, einzelne waren aus fast jedem Bundesland dabei. Vor der Demo war ein Duplikat der Tafel am Rostocker Rathaus angebracht worden war, die Beate Klarsfeld zusammen mit rund 30 weiteren aus Paris angereisten Nachkommen jüdischer Deportierter direkt nach dem Pogrom dort anbringen wollten. Die Tafel weist darauf hin, dass sich das Pogrom damals zunächst gegen Roma gerichtet hatte, die ihrerseits Nachkommen von Holocaust-Opfern waren. 1992 waren die angereisten französischen Demonstrant_innen festgenommen worden. 2012 waren sämtliche Medien dabei, als die Tafel angebracht wurde und die Bilder schafften es bis in die „Tagesschau“.
Wir stellen die Erinnerung an diesen „Aktionstag“ an den Anfang des Berichts, weil er beim „Blick zurück“ besondere Beachtung verdient. Seit 1990 hat keine von uns angestoßene Aktion zu einer solchen bundesweiten Mobilisierung geführt und eine solche öffentliche Aufmerksamkeit erzielt.
Ein Grund dafür liegt in der Sache selbst: Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus sind in dieser Gesellschaft auch 20 Jahre nach dem Pogrom von Rostock, nach Hoyerswerda, Solingen und Mölln eine zentrale Herausforderung für Antifaschist_innen. Heute heißen die Orte, die die es zu besonders trauriger Berühmtheit bringen, Wolgast, Schneeberg, Berlin-Hellersdorf, Duisburg, Dortmund. Heute wie damals bereiten dort und an 1.000 anderen Orten staatlicher Rassismus und Medien-Hetze organisierten Nazis den Boden in Milieus, in denen der Kampf ums nackte Dasein jede Solidarität und jedes Mitgefühl erstickt haben.
1992 wurde das Pogrom von Lichtenhagen – zynisch und ganz im Sinne des rassistischen Mobs – zum Vorwand für die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl. 20 Jahre später haben Schengen, Dublin II, Frontex und Eurosur Europa zu einer Festung gemacht, an deren Außengrenzen jedes Jahr Tausende sterben bei dem Versuch, Kriegen, Verfolgung und dem Elend zu entkommen, das die Öffnung der Märkte für Europas Überproduktion und die „Sicherung des Zugangs zu den Rohstoffen“ mit und ohne Militär in weiten Teilen der Welt verursachen.
Die Erinnerung an das Pogrom, verbunden mit der Forderung nach grenzenloser Solidarität bot die Möglichkeit, gemeinsam ein Zeichen gegen die Verrohung zu setzen.
Ein zweiter Grund für den Erfolg des Aktionstags liegt darin, dass wir als Organisation an Kampagnen- und Interventionsfähigkeit gewonnen haben.
Das wurde nicht nur in Rostock deutlich:
– Seit 2007 arbeiten wir an der Kampagne nonpd. Nach dem letzten Bundeskongress haben wir die 3. Etappe entwickelt, in der der Schwerpunkt der Forderung nach dem überfälligen Verbot der NPD auf die Beendigung des unseligen V-Mann-Systems als Voraussetzung für ein erfolgreiches Verbotsverfahren zielte.
Inzwischen ist der Antrag auf Verbot der NPD vom Bundesrat gestellt und wir sind sicher, dass unsere kontinuierliche Arbeit, das Sammeln von Unterschriften, Argumenten und Bündnispartnern, das Darstellen von Zusammenhängen und Verbindungen zwischen NPD und Stiefelfaschisten und die Bedeutung des V-Leute-Systems für den Aufbau der rechten Organisationsstrukturen dazu beigetragen haben, den gesellschaftlichen Druck aufzubauen, der für diese Entscheidung notwendig war.
Alles, was nach der Entdeckung des terroristischen „Nationalsozialisischen Untergrunds“ über die Verbindungen zwischen Nazi-Szene und Inlands-Geheimdienst zutage befördert wurde – und bekanntlich ist das ja nur die Spitze des Eisbergs, weil Schreddern, Lügen und Aussage-Verweigerung die Arbeit der Untersuchungsausschüsse massiv behindert haben – macht deutlich, dass der ganze „Verfassungsschutz“ Teil des Problems ist. Die Partei „Die LINKE“ hat in Thüringen und Hessen Anträge zur Auflösung des VS und zur Schaffung zivilgesellschaftlicher Strukturen zur Informationsauswertung gestellt.
Inzwischen versucht der VS sich als Teil der Zivilgesellschaft zu geben, tritt in Netzwerkstrukturen auf, bietet sich als Bildungsträger an – immer streng am Begriff des „politischen Extremismus“ orientiert, versteht sich. Und tatsächlich ist die „Aufarbeitung“ des NSU-Terrors auf den Münchner Prozess reduziert und der Skandal massiv rassistischer Ermittlungen und skandalöser Verquickung von Geheimdiensten und Nazi-Szene schon fast wieder in Vergessenheit geraten. Wir werden in Zusammenhang mit dem Antrag aus Hessen auch auf diesem Kongress darüber sprechen, wie wir die Forderung nach Auflösung des Inlands-Geheimdiensts weiter vorantreiben können.
– Wir haben uns mit der Forderung nach Verbot der NPD eingebracht in die jährlichen Demonstrationen und Blockaden gegen den einstmals größten Nazi-Aufmarsch in Europa, der alljährlich die unsägliche Mär vom „Bomben-Holocaust“ in Dresden durch die Straßen tragen konnte. Wir haben mit dem Motto „Blockieren ist unser Recht“ Stellung bezogen gegen die unerhörte Kriminalisierung von Antifaschist_innen und Aktionsformen, die Nazis tatsächlich aufhalten können.
Unser Kamerad Markus Tervooren, Geschäftsführer der VVN-BdA Berlin, der heute unter uns ist, ist einer der Angeklagten, deren Prozess noch aussteht. Sein Vergehen: unsere Fahne in seiner Hand habe Blockierern den Weg gewiesen.
Solange Nazi-Aufmärsche, solange die Propagierung von Mord und Totschlag als vom Grundgesetz geschützte „Meinung“ nicht verboten werden, so lange müssen und werden wir uns ihnen in den Weg stellen. Das haben insbesondere 2011 und 2012 Kameradinnen und Kameraden aus der ganzen Republik, vor allem aus Sachsen und Berlin sichtbar gemacht. Und gemeinsam mit vielen anderen haben wir es geschafft, dass ihr großer Auftritt in Dresden inzwischen Geschichte ist und es hoffentlich bleibt.
Das geht nur in Bündnissen, in denen das gemeinsame Anliegen wichtiger ist, als unterschiedliche Positionen im Detail und Vorlieben für die eine oder andere Aktionsform. Dafür, dass solche Bündnisse zustande kommen, können wir als Generationen übergreifende Organisation von Antifaschist_innen unterschiedlicher politischer Herkunft aus Ost und West einen wichtigen Beitrag leisten. Das haben wir in Dresden und an vielen anderen Orten getan und werden es weiter tun.
Für eine Reihe unserer neuen Mitglieder ist genau das – die Vermittlung der historischen Erfahrung von der Notwendigkeit des einheitlichen Handelns der Antifaschist_innen – der Grund dafür, dass sie bei uns eingetreten sind. Fast 700 neue Kamerad_innen haben wir seit dem letzten Bundeskongress gewonnen, das sind gut 10 % unserer Mitglieder. Das ist ein tolles Ergebnis, aber es ist dringend notwendig, weiter zu werben. Wir haben nämlich beinahe doppelt so viele, nämlich knapp 1.200 Mitglieder verloren; wenige durch Austritt, die meisten durch den Tod.
Diejenigen Kameradinnen und Kameraden aus der Gründergeneration, die Überlebenden aus Widerstand und Verfolgung, die noch heute aktiv sind, sind uns Vorbild und Stütze zugleich. Wir profitieren von ihren Erfahrungen und den vielfältigen Kontakten, die sie in einem langen politischen Leben entwickelt haben. Sie machen aus unserer Organisation das Besondere, sie stehen bis heute als „Zeitzeug_innen“ zur Verfügung, unterstützen uns als Redner_innen bei Kundgebungen gegen Nazis, für die Rechte von Flüchtlingen, bei Ostermärschen.
Einige von ihnen sind heute als Delegierte unter uns und wir wollen sie an dieser Stelle ganz besonders begrüßen: Steffi Wittenberg aus Hamburg, Rabe aus Rostock und Ernst Grube aus München.
Wo immer unsere „Altvorderen“ auftreten, erhebt sich eine Stimme gegen das Vergessen. Und das ist nicht nur gut, sondern dringend notwendig.
Das Vergessen hat viele Erscheinungsformen. Die Bundesrepublik Deutschland rühmt sich gern ihrer „Aufarbeitung“ und ihrer Erinnerungskultur. Vermutlich gab es noch nie so viele Gedenkstätten und vermutlich wurden noch nie so viele Kränze im Laufe eines Jahres abgelegt wie heutzutage. Noch nie lief so viel „Nazi-Zeit“ im Fernsehen, bei ZDF Info kann man sich täglich seine „Dosis“ holen, wenn man es aushält.
Allein – „was lernt uns das?“ Wir erfahren wenig darüber, wie es „dazu“ kommen konnte. Wir erfahren wenig darüber, wer Faschismus gefördert und von ihm profitiert hat und wer ihn bekämpft hat – schon lange vor 1933 und – unter schrecklichen Opfern – die ganze lange Zeit bis zur Befreiung. Auch Widerstand im Allgemeinen und Arbeiterwiderstand im Besonderen kommen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum noch vor.
Es ist gut, dass mit der Aktion „Verbrechen der Wirtschaft von 1933 bis 1945“ an die Verantwortung der Eliten erinnert wird.
Die Widerstandskämpfer_innen, denen wir verdanken, dass es auch für uns, die nachwachsenden Generationen in Deutschland, positive Vorbilder gibt, verschwinden nach und nach aus Ausstellungen. Sie werden von handelnden Menschen, die eine Haltung eingenommen, eine Wahl getroffen haben, die gegen die Barbarei gekämpft haben, zu einer „Opfergruppe“ und aus Opfern des Faschismus werden immer häufiger Opfer „von Willkürherrschaft“ oder „totalitärer Herrschaft“.
Nicht nur der Opfer zu gedenken, sondern das Vermächtnis der Kämpfenden weiter zu tragen und zum Tragen zu bringen, ist unser Auftrag jetzt und in der Zukunft. Schon gibt es Kreise und ganze Landesverbände, in denen es keine „Zeitzeuginnen“ mehr gibt.
Dort, wo es keine Überlebenden der faschistischen Terrorherrschaft mehr gibt, müssen wir regelmäßig um unsere Position als ihre Interessenvertretung in den Gremien kämpfen, die wesentliche Entscheidungen über die Ausstellungen der Gedenkstätten und die inhaltliche Ausrichtung der Erinnerung treffen.
Zum Glück gibt es die „Kinder des Widerstands“, die in ganz besonderer Weise als „Zeugen der Zeugen“ die Erfahrungen ihrer Eltern weitertragen können, und die uns auch weiterhin dazu befähigen werden dies als Organisation zu tun. Zum Glück haben uns viele unserer Kameradinnen Bücher, Filme, Aufzeichnungen hinterlassen, zum Glück haben die Historiker_innen unter uns und hat der Studienkreis vieles davon aufgearbeitet. Es ist nun an uns, die Formen des Erinnerns und Gedenkens zu entwickeln, die vor allem junge Menschen erreichen und berühren können.
Dabei stehen wir nicht ganz am Anfang. An vielen Orten sind vielfältige Veranstaltungskonzepte entwickelt worden, von „bebilderten“ Lesungen über Filme und Filmsequenzen bis zu „interaktiven“ Stadtteilrundgängen oder „Wer nicht feiert, hat verloren“ zum 8. Mai in Berlin. Was fehlt, ist der organisierte Austausch darüber. Dazu wird im vorliegenden Antrag ein Vorschlag unterbreitet.
So wie wir mit Homepage und unserer Konferenz „Lizenz zum Terror – das Jahr 1933“ im zurückliegenden Gedenkjahr der Behauptung, „Extremismus von links und rechts“ hätten die Weimarer Republik zerstört, Fakten und Argumente entgegen gesetzt haben, so müssen wir uns schon jetzt auf den 8. Mai 2015 vorbereiten.
Wir müssen deutlich machen, dass mit der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands nicht nur der Krieg zu Ende war und „die Lager“ befreit wurden – die Häftlinge befanden sich ja bei der Befreiung meist auf den Todesmärschen, das meinen diejenigen, die es so formulieren aber natürlich gar nicht.
Am 8. Mai wurde ganz Europa von der Geisel des Faschismus befreit, in Deutschland natürlich zunächst die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer_innen, aber wir alle, die wir heute leben, verdanken die Grundlagen eines Lebens in Freiheit und Vielfalt, das wir genießen können, den Siegern des 8. Mai. Sie sind und bleiben auch unsere Befreier. Lasst uns schnellstens daran gehen, überall mit möglichst vielen Bündnispartnern vorzubereiten, dass am 70. Jahrestag „kein Weg daran vorbei führt“, an den 8. Mai 1945 als die „Morgenröte der Menschheit“ zu erinnern, wie es Peter Gingold ausgedrückt hat.
Wir wissen, dass die Früchte des 8. Mai stets gefährdet sind. Rassismus, Chauvinismus, Antismitismus und Antiziganismus, Islamfeindlichkeit – alle möglichen Theorien zur Begründung sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung haben Konjunktur. Die „Mitte“-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung belegen das immer wieder in schrecklicher Deutlichkeit. Wir wissen, die soziale Spaltung der Gesellschaft hat ein Ausmaß erreicht, in dem die Angst vor dem Abstieg in die Sphäre des Prekären Anpassungsdruck und Ausgrenzungsbereitschaft erhöht. Wir erleben, dass Grundrechte immer weiter eingeschränkt werden und wir unsere Privatsphäre kaum noch schützen können.
Mit der AfD ist eine Partei geschaffen worden, die alle diese Ressentiments und Ängste gezielt anspricht und verstärkt. Eine Partei, die mit den vielen anderen rechtspopulistischen, teilweise neofaschistischen Parteien in Europa kooperiert. Wir wollen hier nicht lange über die AfD sprechen, Ihr habt in Euren Unterlagen unseren Flyer dazu. Viele von Euch haben mitgemacht innerhalb von weniger als 4 Wochen die 20.000 Exemplare der ersten Auflage im Vorfeld der Europa-Wahlen zu verteilen. Das Wahlergebnis zeigt, wir müssen uns auch weiterhin darauf einstellen, dass hier eine durchaus dramatische Veränderung der politischen Landschaft nach rechts droht. Es ist auch unser Auftrag, dem entgegenzuwirken.
Das ist allerdings allein schon deshalb nicht einfach, weil die AfD sich zwar „Alternative“ nennt, aber tatsächlich vielfältige Anknüpfungspunkte an Politik und Propaganda der Großen Koalition gegeben sind:
– Mit der Interpretation der europäischen Bankenrettungsprogramme als „Rettungsschirme“ für Länder, die angeblich – genauso wie die arbeitenden und arbeitslosen Menschen hier – „über ihre Verhältnisse“ gelebt haben und nun am deutschen Wesen genesen sollen,
– mit Parolen von massiver „Einwanderung in unsere Sozialsysteme“ durch Rumänen und Bulgaren – in dieser Wahnvorstellung ein Synonym für Roma -,
– mit dem menschenverachtenden Umgang mit Flüchtlingen unter Berufung auf Recht und Rechtsstaat,
hat die herrschende Politik der AfD ebenso das Feld bereitet wie sie viele Nazi-Parolen als radikalisierten common sense erscheinen lässt.
Wir haben uns gestern Abend mit unseren Kameradinnen und Kameraden aus der FIR darüber ausgetauscht, dass Geschichtsrevisionismus und Rechtsentwicklung europäische Probleme sind. Wir müssen und wollen unsere internationale Zusammenarbeit vertiefen, die internationale antifaschistische Solidarität stärken. Auch durch gemeinsame Aktion. Zum ersten Mal seit 1990 hat die FIR eine solche gemeinsame Aktion beschlossen, um die Antifaschist_innen in Lettland zu unterstützen. In der letzten antifa konnten alle, die nicht mit nach Riga gefahren sind, in Bildern und Berichten einen Eindruck von der Situation dort und dem Stellenwert unserer „Delegation“ gewinnen.
Das ist der Moment, in dem wir Danke sagen wollen. Dank an Thomas, der als „Fels in der Brandung“ alle unsere kleinen und großen Aktivitäten koordiniert, Bündnispartner_innen kontaktiert, Misslichkeiten aus dem Weg räumt, letzte – und oft genug auch schon erste – Hand an Flugblätter, Broschüren, Plakate legt. Besonderen Dank auch an Terra. Ohne die Kooperation der Bundes- und der Berliner Geschäftsstelle hätte es weder Rostock noch Riga geben können und auch der bevorstehende Aktionstag in Riesa wäre ohne die Mitarbeit von Terra kaum denkbar; das ist natürlich auch ein Dank an den Berliner Landesverband und an alle Mitarbeiter_innen der Geschäftsstellen, die beiden zur Seite stehen. Dank auch an die Kameradinnen und Kameraden, die dabei waren und sind, wenn ein Bus oder Zug bestiegen werden muss, um „machtvoll“ zu demonstrieren.
Kampagnen- und Interventionsfähigkeit setzt ein organisierendes Team voraus, der Erfolg ist aber genauso abhängig von den vielen, die mitmachen, einen Tag, eine Wochenende oder mehr dort verbringen, wo wir gebraucht werden.
Unser Dank geht auch an die Redaktion der antifa, die stets dafür sorgt, dass alle Leser_innen rechtzeitig und umfassend über die politischen Projekte der Bundesvereinigung informiert werden.
Kameradinnen und Kameraden,
nach der Befreiung von Faschismus und Krieg sollte Faschismus nie wieder eine Chance haben und es sollte nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen.
Heute ist Deutschland bereits seit 15 Jahren ein Krieg führendes Land. Von der Zerschlagung der Bundesrepublik Jugoslawien über Afghanistan bis Mali sind deutsche Truppen an Militär-Einsätzen in unterschiedlicher Trägerschaft beteiligt. Die Bundeswehr wirbt für ihr blutiges Geschäft in Schulen und bei Ausbildungsmessen. Die Kriegsministerin möchte die Bundeswehr zu einem „vorbildlichen Arbeitgeber“ machen. Gibt’s bald den „Hort vor Ort“, wenn Mama in den Krieg zieht?
An die Spitze der Kriegsbereiten hat sich bei der „Sicherheitskonferenz“ in München der pfäffische Bundespräsident gesetzt. Der Mann, der von Sant‘ Anna über Oradour bis Lyngiades den Opfern der deutschen Wehrmacht „Versöhnung“ anbietet und schamlos die letzten Überlebenden an sich drückt, nachdem er ihnen erklärt hat, dass es auf keinen Fall noch irgendwelche noch so symbolische Entschädigung geben wird, redet von „Verantwortung“ und meint Kriegsbereitschaft.
Im gleichen Atemzug verleumdet er all‘ jene, die aus der Geschichte des deutschen Militarismus, aus Vernichtungskrieg und Holocaust den Schluss gezogen haben, dass die Verantwortung Deutschlands aus seiner Geschichte nur Zurückhaltung sein kann, ganz besonders militärische.
Nach kurzem Medien-Interesse ist es um die neue deutsche Kriegsbereitschaft ruhig geworden. Das kann für uns kein Grund zur Beruhigung sein, denn die nächste „Krise“, die eine Intervention „erfordert“, kommt bestimmt und wenn der Bundespräsident an solch prominenter Stelle quasi feierlich verkündet: „Wir sind bereit!“ und Außenminister und Kriegsministerin sekundieren, dann werden Taten folgen. Darauf müssen wir uns zusammen mit der Friedensbewegung vorbereiten.
Eine „Krise“ beherrscht heute die Nachrichtensendungen und Schlagzeilen der Zeitungen und birgt tatsächlich die Gefahr eines neuen Krieges in Europa.
Die Krise in der Ukraine hat viele Dimensionen, von der Aneignung des Volksvermögens durch „Oligarchen“ und ihre Folgen über die Förderung jeder Art von Nationalismus durch sämtliche Regierungen der Region seit Ende der Sowjetunion bis hin zum politischen Vorstoß von EU und NATO bis an die Grenzen Russlands.
Und auch hier nimmt die Bundesregierung eine „besondere Verantwortung“ in Gauck’scher Lesart wahr: Damit ist keineswegs die Erinnerung an die Patronage der deutschen Besatzer für das Wüten der ukrainischen Faschisten gemeint, die eine besondere Verantwortung für die Nachkommen von deren Opfern begründet. Vielmehr sind es die bewaffneten Aufständischen des Maidan, die Bilder des für die Ermordung tausender Juden, Sinti und Roma und Kommunisten in der Ukraine verantwortlichen Stepan Bandera vor sich hertrugen, die unter den Schutz der europäischen Demokratien gestellt wurden.
Gleich zwei deutsche Außenminister haben mit ihrer Päsenz auf dem Maidan in einen innenpolitischen Konflikt eines anderen Landes eingegriffen. Walter Steinmeier hat dabei durch gemeinsame Auftritte mit dem Vorsitzenden der Partei „Swoboda“ – ehemals Gesprächspartner der NPD – dazu beigetragen, dieser Truppe den Weg in die Putsch-Regierung zu ebnen, und damit auch der quasi-Beteiligung des militant-faschistischen „Rechten Sektors“, der nun wichtige Positionen im Sicherheitsapparat der Ukraine besetzt.
Durch die bedingungslose Anerkennung dieser Regierung wurde zugleich anerkannt, dass die Regierungsbeteiligung von Faschisten – anders noch mit Fini in Italien und Haider in Österreich – in Europa als akzeptabel gilt.
Die andere Seite der Medaille ist die unerträgliche anti-russische Hetze in nahezu allen Medien. Nur selten erinnern einzelne Journalistinnen daran, dass der Bruch des Völkerrechts bei der Abspaltung der Krim der gleiche ist wie bei der von EU und NATO geförderten Auflösung Jugoslawiens.
Auch wenn es aktuell so aussieht, als ob die Bundesregierung – anders als etwa der Generalsekretär der NATO – nun doch Verhandlungen den Vorzug vor militärischen Drohungen gibt, ist weiter Wachsamkeit geboten.
Eines ist auf alle Fälle klar: Nachdem „Nie wieder Krieg“ schon 1999 aus der „besonderen deutschen Verantwortung“ verschwunden ist, ist ganz deutlich geworden, dass „Nie wieder Faschismus“ zumindest keine außenpolitische Priorität genießt.
Das ist ein denkbar schlechtes Signal.
Gut ist, dass sich überall in Europa Widerstand gegen die erstarkende Rechte regt und organisiert. Wir – in der Bundesrepublik die VVN-BdA, in Europa die FIR – sind ein organisierender Teil dieses Widerstands. Um diese Rolle gut auszufüllen, müssen wir stärker werden, und wir müssen unsere Zusammenarbeit verstärken. Damit Faschismus in Europa ein für alle Mal Geschichte wird, damit die neue Welt des Friedens und der Freiheit, für die so viele gestorben sind, gelitten, vor allem aber gekämpft haben, eines Tages Wirklichkeit werden kann.
In ihrem Sinne tragen wir das Vermächtnis weiter.











