Stellungnahme der VVN-BdA Kreisvereinigung Kassel zur Klageabweisung im Verfahren Silvia Gingold gegen Landesamt für Verfassungsschutz Hessen

geschrieben von Kreisausschuss der VVN-BdA Kassel

11. Oktober 2017

 

Mit Enttäuschung und Empörung hat die VVN-BdA Kreisvereinigung Kassel
das Urteil des Kasseler Verwaltungsgerichts im Verfahren Silvia Gingold
gegen das Landesamt für Verfassungsschutz (LVS) Hessen zur Kenntnis
nehmen müssen.

Ein Verwaltungsgericht hat die Aufgabe, den einzelnen Bürger gegen
unrechtmäßiges Verwaltungshandeln zu schützen. Dazu muss das Gericht
nicht nur prüfen, ob die jeweiligen Behörden alle Rechtsvorschriften
eingehalten haben, sondern auch, ob das Handeln und die Entscheidungen
der Verwaltung unzulässig in die Grundrechte des Einzelnen eingreifen.

Dieser Verantwortung hat sich das Kasseler Verwaltungsgericht im
Verfahren von Silvia Gingold erkennbar nicht gestellt. Statt die
Einlassungen der Klägerin angemessen zu prüfen und die von ihr
beanstandeten Eingriffe in ihr grundgesetzlich verbrieftes Recht auf
freie Meinungsäußerung als Rechtsgut gegenüber dem LVS zu verteidigen,
folgt es – ohne erkennbare inhaltliche Auseinandersetzung – den
schriftlich vorgetragenen Behauptungen des Inlandsgeheimdienstes für
seine Bespitzelung und Denunziation der Klägerin. Zudem verweigert das
Gericht selbst jegliche Prüfung, ob das Verhalten und die Aussagen der
Klägerin für eine solche Bewertung irgendeinen Anlass geboten haben.

Allein die Tatsache, dass sie sich zusammen mit – vom hessischen LVS als
„Linksextremisten“ bezeichneten – Persönlichkeiten und Organisationen in
politischen Zusammenhängen befunden habe, reicht dem Gericht aus, um
diese Form der Bespitzelung zu legitimieren. Dass es sich bei diesen
Persönlichkeiten u.a. um den gegenwärtigen thüringischen
Ministerpräsident handelt, ficht weder das LVS, noch das
Verwaltungsgericht an. Mit diesem Urteil erteilt das VG Kassel dem VS
einen Freibrief für seine Sammelwut gegenüber allen Formen
demokratischen Engagements.

Unhinterfragt wird im Urteil die Behauptung des LVS nachgebetet, die
Politik der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) sei
linksextremistisch beeinflusst und gegen die „freiheitlich-demokratische
Grundordnung“ gerichtet. Haben etwa die Stadt und der Landkreis Kassel,
als sie während der documenta14 das Projekt „Bewahrung der Erinnerung“
gemeinsam mit der VVN-BdA umsetzten, den „Linksextremismus“ gefördert?

Das Verwaltungsgericht wurde seiner Verantwortung der Kontrolle dieser
Behörde nicht gerecht. Dabei wäre eine solche Kontrolle dringend
geboten. Machen doch die Vorgänge um den Mord an Halit Yozgat und die
Eingebundenheit des VS-Mitarbeiter Andreas Temme deutlich, wie eng
dieses Landesamt für Verfassungsschutz mit dem neofaschistischen
Mordterror des NSU-Netzwerkes verwoben ist.

 

Jetzt erst recht: Bundestag Nazifrei! Petition unterschreiben

geschrieben von Aufstehen gegen Rassismus

28. September 2017

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Die Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ hat kurzfristig eine Petition gestartet, die sich an die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD, LINKE, B90/Grüne und FDP richtet und sie auffordert, sich klar von der AfD-Fraktion abzugrenzen und jegliche Zusammenarbeit mit ihr zu verweigern.

Die Petition kann man online unterzeichnen, aber es können auch an Infoständen auf Papier Unterschriften gesammelt werden, man kann mit den Leuten ins Gespräch kommen, weiteres Infomaterial verteilen und Unterstützer gewinnen.

Ziel ist es, binnen 6 Wochen 100.000 Unterschriften zu sammeln, die dann voraussichtlich in der ersten Sitzungswoche übergeben werden.

Die Petition:

Jetzt erst recht: Bundestag Nazifrei! Petition unterschreibenSolidarität statt Hetze – keine Zusammenarbeit mit der AfD im Bundestag

Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und die Verherrlichung von NS-Verbrechen dürfen in Deutschland nie wieder einen Platz haben – weder auf der Straße noch im Bundestag.

Die AfD ist eine rassistische Partei, mit der Nazis und Antisemiten in die Parlamente einziehen. In der Bundestagsfraktion stellt Höckes Nazi-Flügel die größte organisierte Strömung.

Die AfD ist undemokratisch. Demokratie bedeutet Mitsprache für alle Menschen, unabhängig ihres Aussehens, ihrer Religion, ihrer Kultur, ihres Geschlechtes, ihrer sexuellen Orientierung. Die AfD will Menschen aufgrund von solchen Kriterien entrechten und abschieben. Sie stachelt Gewalt an gegen Geflüchtete, Muslime, Antifaschist*innen und alle, die nicht in ihr Weltbild passen. Mit Demokratie hat das nichts zu tun.

Die AfD ist eine Gefahr für unsere Demokratie und die Menschen, die hier leben. Die einzige Möglichkeit diese Gefahr abzuwenden, ist die Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit der AfD. Sonst werden Hass und Hetze zum Alltag im Bundestag und in der Gesellschaft.

Wir erwarten, dass die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, LINKE, Grünen und FDP sich klar von der AfD abgrenzen und nicht mit der AfD und ihren Abgeordneten zusammenarbeiten. Wir fordern Widerspruch gegen rassistische, gewaltverherrlichende und Hassparolen der AfD, wo auch immer sie auftauchen.

Zusammen können wir ein Zeichen setzen: Für Solidarität statt Hetze. Rassismus ist keine Alternative.

Wir ziehen die Rote Linie: Keine Zusammenarbeit mit der AfD!

Mehr Informationen:

https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/

 

So könnt ihr Unterschriften für die Petition sammeln:

Online…

Teilt den Link https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/petition unter Euren Freundinnen und Freunden per Mail oder in den sozialen Medien.

Facebook: https://www.facebook.com/aufstehengegenrassismus/photos/a.962514417200178.1073741829.954225664695720/1458218697629745/?type=3

Twitter: https://twitter.com/aufstehengegen/status/912330533455228930

…oder auf der Straße:

Ladet euch unter dem Link https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/petition die Unterschriften-Listen zum Ausdrucken herunter! Die ausgefüllten Listen könnt ihr dann ebenso dort selbst wieder hochladen. Weitere Infos dazu findet Ihr ebendort!

Dem Rechtsruck entgegentreten

geschrieben von Netzwerk der Lagergemeinschaften

29. August 2017

 

Erklärung des Netzwerks der Lagergemeinschaften

aus Anlass der Bundestagswahl am 24. September 2017

 

Mit überaus großer Besorgnis nehmen wir, die Vertreter der von den ehemaligen Häftlingen der Konzentrationslager gegründeten Interessenverbände, den weltweiten Rechtsruck und die Erfolge der Rechtspopulisten in Europa und Deutschland zur Kenntnis.

 

Vor dem Hintergrund des ungebremsten globalen Kapitalismus haben sich Armut und soziale Ungerechtigkeit sowie die damit einhergehenden gesellschaftlichen Konflikte in den letzten Jahren erheblich verschärft. Armut, anhaltende Kriege und religiös begründete Radikalisierung führen weltweit zu instabilen Verhältnissen und großen Flüchtlingsbewegungen.

 

Eine allgemeine Verunsicherung äußert sich momentan europaweit in dem Wieder-aufleben nationalistischer und völkischer Ideologien, die sich nicht nur gegen alles vermeintlich Fremde und Andersartige und ein geeintes Europa richten, sondern auch gegen die über Jahrzehnte erkämpften Errungenschaften der demokratischen Zivilgesellschaft. Diese Werte und Errungenschaften, Offenheit und Akzeptanz, Solidarität und Mitbestimmung, Emanzipation und Schutz von Minderheiten, nicht zuletzt die Freiheit der Presse und von Wissenschaft, Kunst und Kultur, gilt es mit allen Kräften zu verteidigen und den reaktionären Tendenzen entgegenzutreten.

 

In einigen Ländern Europas sind Rechtspopulisten schon an der Regierung, in anderen konnte dies nur durch den Zusammenschluss aller demokratischen, antifaschistischen Kräfte verhindert werden. Besonders unerträglich für uns ist der Erfolg der AfD in Deutschland, die mit Islam- und Fremdenfeindlichkeit sowie weiteren rechten Positionen ein bedrohlich großes Wählerpotential erreichen kann. Ihre Vertreter bezeichnen die Gedenkkultur an die nationalsozialistischen Verbre-chen als Zeichen der Schande und fordern ein Ende der „politischen Korrektheit“.

 

Dies geschieht in einer Zeit, in der nur noch wenige Überlebende der Konzen-trationslager aus eigenem Erleiden Auskunft über die Verbrechen des Nationalsozialismus geben können.

 

Im „Vermächtnis der Überlebenden“ erklärten 2009 die Vertreter von zehn internationalen Häftlingsverbänden:

 

„ (…) Aber auch Europa hat seine Aufgabe: Anstatt unsere Ideale für Demokratie, Frieden, Toleranz, Selbstbestimmung und Menschenrechte durchzusetzen, wird Geschichte nicht selten benutzt, um zwischen Menschen, Gruppen und Völkern Zwietracht zu säen. (…) Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen. Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Nazi-Ideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen.“

Wir, die wir dieses Vermächtnis fortführen, wenden uns deutlich gegen jegliche Form rechter, menschen- und demokratiefeindlicher Ideologien und Tendenzen und stellen uns dieser wachsenden Bedrohung, gemeinsam mit allen demokratisch Gesinnten, nach Kräften entgegen.

 

Nach dem sich abzeichnenden Ende der Zeitzeugenschaft kommt den KZ-Gedenkstätten und den Gedenkstätten und Museen zum NS-Terror eine noch größere Bedeutung in der Vermittlung der Geschichte zu. Daher fordern wir von der  Bundesregierung und den Landesregierungen eine intensivere Förderung dieser Gedenkstätten und Museen. Ebenso fordern wir alle Vertreter der demokratischen Parteien auf, dies zu unterstützen und sich für eine bessere Ausstattung der Gedenkstätten einzusetzen, insbesondere im Bereich der pädagogischen Arbeit. Junge Menschen müssen die Möglichkeit erhalten, sich qualifiziert und differenziert mit diesem Teil der Geschichte zu beschäftigen, um sich kritisch mit den Inhalten des Rechtspopulismus auseinandersetzen zu können.

 

 

 

Unterzeichnende Verbände:

 

Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.

 

Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

 

Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.

 

Deutsches Mauthausenkomitee Ost e.V.

 

Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V.

 

Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.

 

Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V.

 

Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

 

Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.

 

Unterstützer:

 

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen

und Antifaschisten e.V. ( VVN -BdA )

 

6000 Neonazis treffen sich in Themar – und keiner ist verantwortlich

geschrieben von Dr. Ulrich Schneider

18. Juli 2017

Scharfer Protest der antifaschistischen Vereinigung VVN-BdA:

Die VVN-BdA hat mit Empörung und Erschrecken die Vorgänge um das wohl größte Rechtsrock-Konzert an diesem Wochenende im thüringischen Themar verfolgt. Unter dem Schutz von 1000 Polizisten traten auf Einladung offen neofaschistischer Organisatoren Musikgruppen auf, die mit ihren menschenverachtenden Texten und Musikstücken Rassismus und Fremdenfeindlichkeit propagieren und die wie die Gruppe „Stahlgewitter“ Verbindungen zum verbotenen Netzwerk „Blood and Honor“ haben. Dieses Konzert wurde zu einem Anziehungspunkt für Neonazis nicht nur aus Thüringen, sondern aus Deutschland und dem europäischen Ausland.

Wir fragen die politisch Verantwortlichen in Thüringen:
Wie kann es sein, dass der Bürgermeister der Gemeinde, der sich klar gegen dieses Treffen ausgesprochen hat, und die Kreisverwaltung von der thüringischen Kommunalaufsicht alleine gelassen worden sind bei der gerichtsfesten Vorlage eines Widerspruchsbescheids? War man dort überhaupt nicht an einem gerichtlichen Verbot interessiert?
Welche Rolle spielt der thüringische Verfassungsschutz, der zwar über Russland-Kontakte Thüringer Neonazis Bescheid weiß, aber keine verbotsrelevanten Fakten zu diesem Treffen zusammentragen konnte? Hat sich – trotz neuer Leitung – die „kooperative“ Haltung gegen über der extremen Rechten, die sich so unsäglich bei den NSU-Morden gezeigt hat, nicht geändert?
Was ist von einem Thüringischen Innenminister zu halten, der keine Anstalten unternimmt, ein solches Treffen zu verhindern und sich stattdessen vom Verwaltungsgericht ermächtigen lässt, mit seiner Polizeitruppe den „ruhigen Ablauf“ zu gewährleisten, so wie eine Woche zuvor beim G20 – Treffen in Hamburg?

Wir erwarten von den politischen Kräften in Thüringen, dass sie dieses skandalöse Vorgehen nicht verdrängen („Schön, dass es vorbei ist!“), sondern politische und juristische Handlungsstrategien entwickeln, die eine Wiederholung eines solchen Neonazi-Konzertes ausschließen.
Die VVN-BdA wird mit ihren Kräften weiterhin den gesellschaftlichen Widerstand gegen solche neofaschistischen Provokationen unterstützen.

Zur Missachtung von Versammlungsfreiheit und Gewaltenteilung durch die Hamburger Innenbehörde

geschrieben von Dr. Axel Holz und Cornelia Kerth

5. Juli 2017

 

 

 Beim Treffen der G 20 in Hamburg treffen sich die Repräsentanten von 80 % der weltweiten Wirtschaftskraft. Die 174 dort nicht vertretenen UN-Mitgliedsstaaten müssen sich den Rest teilen.

Bei den Gipfeltreffen werden Verabredungen getroffen, die vor allem dafür sorgen, dass das auch so bleibt. Dafür wird die Stadt Hamburg über die „Gipfel-Tage“ in Belagerungszustand versetzt.

– Wer die Legitimität der geballten Wirtschaftsmacht infrage stellt,

– wer eine Weltordnung infrage stellt, die Tag für Tag mehr als 20.000 Kinder an Hunger und vermeidbaren Infektionskrankheiten sterben lässt,

– wer seinen Protest auch mit Formen zivilen Ungehorsams zum Ausdruck bringen will,

ist in Hamburg nicht willkommen.

Seit Wochen wird von Senat, Polizei und Teilen der Medien Bürgerkriegsstimmung verbreitet. Organisatoren von Demonstrationen werden mit „Steckbriefen“ des Verfassungsschutzes kriminalisiert. Nun werden Anwälte unter den Verdacht der „Rädelsführerschaft“ gestellt, weil sie gegen behördliche Willkür den Rechtsweg beschreiten.

Senat, Innenbehörde und Polizei stehen auf Kriegsfuß mit verfassungsmäßig garantierten Grundrechten, und mit der Missachtung von Gerichtsentscheidungen durch die Polizei wird die Gewaltenteilung als eine der Säulen der rechtsstaatlichen Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.

Wir protestieren gegen diese Maßnahmen und rufen dazu auf, sich den Demonstrationen der nächsten Tage anzuschließen und sie zu einem sichtbaren Zeichen zivilgesellschaftlichen  Protests werden zu lassen.

Broschüre zum Bundeskongress

geschrieben von Cornelia Kerth, Axel Holz

15. Juni 2017

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„Deutsche Großmachtträume platzen lassen. Rechtsentwicklung stoppen. Menschenrechte verteidigen.“ Unter diesem  Motto fand am 1. und 2. April 2017 im Frankfurter Haus Gallus der 6. Bundeskongress der VVN-BdA statt. Damit ist das Ziel unserer notwendigen Interventionen in den nächsten drei Jahren abgesteckt.   P_01_Umschlag_Brosch_VVN-BdA_Referate_Bundeskongress_1Vielfältige Auseinandersetzungen, die es in den vergangenen Jahren in unserem Bündnisumfeld gegeben hat, machen es notwendig, dass wir nicht nur an traditionellen Forderungen und Losungen festhalten, sondern dass wir uns mit den sich rasant verändernden gesellschaftlichen und politischen Bedingungen auseinandersetzen und immer wieder neu positionieren. Deshalb haben wir uns entschieden in diesem Jahr nicht nur auf unsere eigene Kompetenz zu vertrauen, sondern haben uns Referenten zu entscheidenden Themen eingeladen, die unseren Debatten eine aktuelle und fundierte Grundlage liefern können.   Wir konnten dafür Lühr Henken, einen der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag für das Thema „Deutschland rüstet auf“ gewinnen. Helmut Kellershohn, Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung hat sich kritisch mit dem Thema „Die Mitte radikalisiert sich“ befasst und Prof. Fabian Virchow vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neofaschismus der FH Düsseldorf beleuchtete das Themenfeld „Die extreme Rechte gruppiert sich neu“.   Alle drei Referate stießen bei den Delegierten auf großes Interesse und boten viele neue Informationen und Diskussionsansätze – leider fehlte die Zeit für die notwendige Vertiefung durch Diskussionen. Deshalb wurde von vielen Delegierten der Wunsch nach einer Veröffentlichung der Referate schon während des Kongresses geäußert. Erfreulicherweise haben alle Referenten dem zugestimmt, im Fall des Referats von Fabian Virchow auch Herausgeber und Verlag der „Neuen Kriminalpolitik“ in der der abgedruckte Beitrag zuerst publiziert wurde. Dafür herzlichen Dank an alle.   Wir freuen uns, mit dieser Broschüre drei Beiträge zu notwendigen Diskussionen vorlegen zu können und wünschen uns eine rege Debatte in der VVN-BdA und gern darüber hinaus.

W_Broschuere_VVN-BdA_Referate_Bundeskongress_2017

Festveranstaltung zum 70. Geburtstag der VVN

geschrieben von Gerhard Hallermayer

9. Mai 2017

Unsere Festveranstaltung zum 70. Geburtstag der VVN am Vorabend des Bundeskongresses wurde von Gerhard Hallermayer filmisch dokumentiert.

1. Eröffnung durch die Bundesvorsitzende Cornelia Kerth.

2. Emil Mangelsdorff

3. Grußwort von Vilmos Hanti (FIR)

4. Grußwort vom Russischen Veteranenverband

5. Grußrede von Beate Klarsfeld

6. Grußwort von Romani Rose

7. Sinti und Roma Philharmoniker

8. Grußwort von Peter Feldmann OB der Stadt Frankfurt/Main

9. Grußwort von Stephan Körzell DGB-Bundesvorstand

10. Frankfurter DGB-Chor

11. Dr. Ulrich Schneider Historischer Rückblick auf 70 Jahre VVN

12. Talk der Generationen

13. Berliner Reggae und Hiphop-Künstler Filou und Schluss

Aufruf zum Ostermarsch 2017

geschrieben von Bundessprecherkreis der VVN-BdA

4. April 2017

 

Deutsche Großmachtträume platzen lassen

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten ruft auf:  Beteiligt Euch an den Ostermärschen 2017 für Frieden und Abrüstung!

Die politische Entwicklung muss uns alle zum Handeln, zum Widerstand gegen Kriegsbeteiligung und weitere Aufrüstung veranlassen.

Bundesregierung und Bundespräsident erzählen der Öffentlichkeit, dass die Politik des amerikanischen Präsidenten Trump größere Anstrengungen Europas – und besonders Deutschlands – für die “Sicherheit” erfordert. Trump indessen will zwar die militärische Dominanz der USA erhalten, zugleich kündigt er eine Konzentration der Truppen und Ressourcen im pazifischen Raum an. Für die militärische Sicherung der „westlichen“ Interessen rund um den Atlantik sollen die europäischen NATO-Verbündeten sorgen.

Damit liefert Trump eine Steilvorlage, die bereitsim 2016 vorgestellten „Weißbuch“ der Bundeswehr umfassenden Aufrüstungsprojekte der Großen Koalition offensiv umzusetzen und damit der vom scheidenden Bundespräsidenten Gauck eingeforderten „größeren Verantwortung Deutschlands“ in der Welt die materielle Grundlage zu schaffen.

Das ehrgeizige Ziel, die Militärausgaben im Bundeshaushalt zu verdoppeln und auf 2 % des Brutto-Inlandsproduktes zu erhöhen, geht einher mit neuen Debatten über die Notwendigkeit zur Schaffung einer EU als „Europäische Verteidigungsgemeinschaft“. So wie heute schon immer mehr bi- oder multinationale NATO-Verbände unter deutscher Führung stehen, sollen nun laut Verteidigungsministerin drei „tief integrierte“ europäische Großverbände in Divisionsstärke geschaffen werden. Dazu sollen gemeinsame neue gemeinsame Rüstungsprojekte entwickelt werden.

Wir wollen keine weitere Aufrüstung, keine weiteren Auslandseinsätze deutscher Soldaten, keine weiteren Kriege. Wir wollen bezahlbare Wohnungen, gute Bildung und Gesundheitsversorgung für alle!

Wir fordern das Einfrieren des Rüstungshaushalts und die Beendigung aller Auslandseinsätze der Bundeswehr!

Mehr als 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die meisten von ihnen leben unter menschenunwürdigen Umständen ohne jede Perspektive in Lagern, für die der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen kaum ein Bruchteil der benötigten Mittel zur Verfügung steht. 80 Milliarden Euro jährlich soll die militärische „Verantwortung“ kosten, die Deutschland übernehmen soll.

Wir meinen: Deutschland soll mehr humanitäre Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass die Versorgung der Menschen auf der Flucht sichergestellt ist, dass Kriege enden und dass die Lösung der Probleme vorangetrieben wird, die Flucht zwingen:  die rücksichtslose Überausbeutung von Mensch und Natur, die politische Befeuerung regionaler Konflikte Regierungen und gigantische Profite durch Waffenexporte.

 

Wir fordern: Schluss mit den Waffenexporten

Rüstung und Militär tragen zur Lösung der realen Menschheitsprobleme nichts bei, im Gegenteil: jeder Euro, Dollar, Rubel oder Yüan, der in die Aufrüstung investiert wird, fehlt dort, wo noch immer Tag für Tag 30.000 Kinder an Hunger und vermeidbaren Infektionskrankheitensterben.

Trotzdem werden derzeit die atomaren Arsenale modernisiert, in Deutschland wird die eigene atomare Option erneut in die Debatte gebracht. Amerikanische Killerdrohnen, die von Deutschland aus gesteuert werden, töten weltweit Tausende; auf dem Beschaffungsprogramm der Bundeswehr stehen eigene Drohnen. Wir sagen dazu NEIN!

 

Wir fordern weiterhin die völkerrechtliche Ächtung von Atomwaffen und die Beendigung des Drohnenkriegs.

r unserer Forderungen gehen wir zu Ostern auf die Straße und rufen dazu auf, gemeinsam deutlich zu machen:

NEIN zum deutschen Streben nach militärischer Führung –

Deutsche Großmachtträume platzen lassen!

 

 

Beschlüsse des 6. Bundeskongresses

2. April 2017

Der 6. Bundeskongress fasste 8 Beschlüsse zu folgenden Themen:

 

Leitantrag: Deutsche Großmachtträume platzen lassen. Rechtentwicklung stoppen. Menschenrechte verteidigen.

 

2: Artikel 129 Grundgesetz: Faschismus war und ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

 

3: Gerechtigkeit für die Opfer

 

4: Kennzeichnung der Tatorte der Industrie 1933

 

5. VVN-BdA weist Angriffe des Verfassungsschutzes zurück

 

6.: Uneingeschränkte Solidarität mit den in der Türkei inhaftierten HDP-Mitgliedern

 

7: Solidarität mit angezeigten antifaschistischen Gewerkschaftern

 

8: Kampf gegen Neofaschismus ist notwendiger denn je

 

Alle Beschlüsse gibt es hier als pdf-Dokument: Beschlüsse des 6. Buko: Beschlüsse des 6. Buko 17_05_31

Politischer Bericht an den 6. Bundeskongress

geschrieben von Axel Holz und Cornelia Kerth

1. April 2017

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Liebe Kameradinnen und Kameraden,

Seit unserem letzten Bundeskongress 2014 hat sich die politische Situation, in der wir uns positionieren und bewegen müssen, dramatisch verändert.

 

Vor drei Jahren haben wir Euch die neueste Version unserer Ausstellung  „Neofaschismus in Deutschland“ vorgestellt, in der die AfD nur als Randnotiz vorkam. Es gab noch keine PEGIDA-Aufmärsche und brennende Unterkünfte von Geflüchteten schienen der Vergangenheit anzugehören.

 

Im Februar wurden in der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion für das Jahr 2016 3.500 Angriffe auf Geflüchtete gemeldet.   988 mal richtete sich die Gewalt gegen Unterkünfte. 2.545 mal wurden Menschen angegriffen. 560 von ihnen wurden verletzt, darunter 43 Kinder. Hinzu kommen 217 Angriffe auf Hilfsorganisationen und Unterstützer_innen. Das sind im Schnitt fast 10 Angriffe an jedem einzelnen Tag. Es ist so alltäglich geworden in Deutschland, dass es kaum noch in der Zeitung steht – ganz im Gegensatz zu nahezu jedem Delikt, das Geflüchteten zur Last gelegt wird.

 

Das ist nur eines unter vielen Indizien, wie die rassisitischen Mobilisierungen und die AfD die politische Achse der Republik bereits nach rechts verschoben haben. Bis Silvester 2015 galt nämlich, dass die Nationalität von Verdächtigen grundsätzlich nicht veröffentlicht werden sollte. Erst nach den massenhaften sexuellen Belästigungen junger Frauen in Köln und anderen Städten durch Männer, die als“Nordafrikaner”beschrieben wurden, änderte sich das unter dem Einfluss einer verheerenden öffentlichen Debatte, die wochen- und teilweise monatelang die Schlagzeilen dominierte.

 

In dieser Kampagne – so muss man es nennen – wurde die rechte Hetze von der “Lügenpresse”, die unliebsame Nachrichten unter den Tisch kehrt, bis zum “Kartell einer kleinen Gruppe von Politikern“, die der „gesellschaftsschädlichen Political Correctness“ verpflichtet ist, wirkmächtig.

 

Gerade noch war die „deutsche Willkommenskultur“ gefeiert worden. Zehntausende freiwillige Helferinnen und Helfer leisteten großartige Unterstützung, wo der Staat sich überfordert gab und noch in ihrer Ansprache zum Jahreswechsel hatte Angela Merkel „Wir schaffen das“ gesagt.

 

Als sei ein Hebel umgelegt worden, war diese Stimmung von einem auf den anderen Tag aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Betrachtungen über angeblich kulturell bedingte Frauenverachtung nordafrikanischer, orientalischer oder muslimischer Männer, über steigende „Ausländerkriminalität“, über empörende „Anspruchshaltung“ von Menschen, die nach nach Monaten in Lagerhallen endlich eine menschenwürdige Unterkunft verlangten, um nach der langen Flucht unter katasrophalen Bedingungen nun endlich zur Ruhe kommen zu können, waren täglich in allen Medien zu finden. Und natürlich die ungezählten Talkrunden auf allen Kanälen zum Thema „Können wir das wirklich schaffen?“, in denen nun endlich regelmäßig auch die AfD zu Wort kam.

 

Es ist vermutlich nicht allzuweit hergeholt, anzunehmen, dass die Erfolge der AfD bei den Wahlen im März 2016 auch diesem Klima zuzuschreiben sind, in dem sie sich als diejenigen darstellen konnten, die das, was nun flächendeckend problematisiert wurde, von Anfang an kritisiert hatten. Inzwischen wird über Burka-Verbote diskutiert, Menschen selbst nach Afghanistan abgeschoben, weil Politiker glauben, damit Wahlen gewinnen zu können.

 

Anders als häufig dargestellt, hat der Aufstieg der AfD allerdings nicht erst begonnen, nachdem die Bundeskanzlerin die Öffnung der Grenzen für Hunderttausende verzweifelte Menschen anwies, die auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung und Elend versuchten über die „Balkanroute“ den reichen (Nord-)Westen Europas zu erreichen und dort auf Ablehnung, Verweigerung von Schutz und Hilfe und teilweise offene Pogromstimmung gestoßen waren.

 

Schon ein knappes Jahr vorher hatten Ende 2014 die ersten PEGIDA-Märsche in Dresden stattgefunden und die Zahl derer, die dort und anderswo gegen „Merkel“ und die „Lügenpresse“ demonstrierten und beide offensichtlich mit der halluzinierten „Islamisierung des Abendlandes“ in Verbindung brachten, war auf 20- bis 30.000 an jedem Montag gestiegen.

 

Auch der Sieg des völkisch-nationalen Teils der AfD über die „Euro-Kritiker“ hatte schon im Sommer 2015 den Weg für Gauland, Höcke und Co. geebnet. Insofern stellt die weit verbreitete Interpretation der rasanten Entwickung einer extrem rechten Partei als parlamentarischer Arm einer ebensolchen Bewegung als Folge einer „Flüchtlingskrise“ eher eine Verharmlosung des Phänomens dar als eine Erklärung, auf deren Grundlage wirksame Gegenstrategien entwickelt werden können.

 

Inzwischen sitzt die AfD im Europaparlament und in 11 von 16 Landesparlamenten und nimmt Kurs auf den Bundestag. Dass ihre Umfragewerte aktuell sinken, spitzt die Auseinandersetzung um Inhalte und Personal vor ihrem Kölner Parteitag zu. So wie in ihrem öffentliche gewordenen „vertraulichen“ Papier zur Wahlkampf-Strategie eine anzustrebene Öffnung zur „politischen Mitte“ der Orientierung auf die bisherigen Wählerinnen und Wähler untergeordnet wird, dürfte diese Auseinandersetzung zur Stärkung des völkisch-nationalistischen Flügels und der Position Höckes und seiner „neurechten“ Freunde führen.

 

Unbestreitbar bilden die politisch herbeigeführte Erosion des Sozialstaats zugunsten verallgemeinerter Konkurrenz in der „Ellbogen-Gesellschaft“ in allen westlich-kapitalistischen Staaten eine wesentliche Voraussetzung für die Abkehr vieler Menschen von einem parlamentarischen System, das sein Versprechen – einen gewissen Ausgleich der widerstreitenden sozialen Interessen zu organisieren – nicht mehr einlöst.

 

Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass z. B. Trump seiner Anhängerschaft  die Schaffung von Arbeitsplätzen als Folge ultranationalistischer Politik verspricht und mit „Obama-Care“ eines der wenigen sozialstaatlichen Elemente in der amerikanischen Gesellschaft wieder abschaffen will. Auch Programm und Propaganda der AfD lassen eher eine Verächtlichmachung derjenigen erkennen, die auf die sozialen Sicherungssysteme angewiesen sind, als dass sich die AfD auch nur verbal zu deren Anwältin machen würde.

 

Kurz: die seit der Sinus-Studie in den 1980er Jahren bekannte „latente“ Zustimmung zu extrem rechten Positionen liegt nun offen zutage und die darauf basierende Bewegung und ihre Partei sind zu einer wesentlichen Bedrohung für alles geworden, was wir als die antifaschistischen Grundlagen dieses Staates ansehen und für alle, die in ihrer völkischen Weltsicht keinen Platz haben. Und diesen Kräften ist es in kurzer Zeit gelungen, das politische Klima im Land bereits deutlich nach rechts zu verschieben.

 

Das ist für uns Grund genung, uns ihr mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und gemeinsam mit allen, die unsere Sorge teilen, entgegenzustellen.

 

Das tun wir mehr als einem Jahr mit der Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“, zu deren Trägerkreis wir gehören. Ziel der Kampagne ist, der Afd bei den 2017 anstehenden Landtagswahlen und bei der Bundestagswahl „klein“ zu kriegen.

 

Ein Ziel ist die Ausbildung von 10.000 „Stammtischkämpfer_innen“, die ermutigt und befähigt werden sollen, sich rechten Parolen entgegenzustellen, wo immer sie auftauchen: in der Familie, in Schule, Uni oder Betrieb, im Bus oder beim Bäcker nebenan und, das ist besonders wichtig, wo immer die AfD sich zeigt. Zum Beispiel an Infotischen oder bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum.

 

Die Kampagne wurde vor ziemlich genau einem Jahr bundesweit gestartet und hat sich inzwischen in vielen Gegenden regionalisiert. In vielen Bundesländern gibt es regionale Trägerkreise, aber jede Gruppe, jeder Freundeskreis, auf einzelne Personen können mitmachen. Damit das möglich wird, gibt es „Aktions-Kits“, die alles enthalten, was man braucht, um einen Infostand der AfD angemessen zu begleiten – sogar eine „Gebrauchsanleitung“. Ihr könnt das heute Nachmittag alles selbst kennenlernen.

 

„Aufstehen gegen Rassismus“ findet in unserer Bundesgeschäftsstelle statt, wir haben einen zusätzlichen Raum angemietet und unser Freiwilliger Gerd und unserer beiden Praktikantinnen Tini und Gini unterstützen die beiden Frauen, die die Kampagne hauptamtlich koordinieren. Unser Geschäftsführer Thomas hat wesentlich an dem Konzept für die Stammtischkämpfer_innen-Ausbildung mitgearbeitet und mehrere Kameraden arbeiten als Trainer und Teamer mit.

 

Das ist eine gigantische Anstrengung, die wir hier gemeinsam mit der Interventionistischen Linken, mit Jungsozialisten und Naturfreunden, mit der Partei die LINKE und Attac, mit lokalen und regionalen antifaschistischen Bündnissen und mit einer zunehmenden Zahl von Gewerkschaftsgliederungen, besonders aus ver.di und IGM unternehmen. Und das Beste ist, dass sich immer mehr Menschen, die vorher politisch nicht aktiv waren, sich an der Kampagne beteiligen und dass es sehr viele Menschen gibt, denen es ein Bedürfnis ist, sich an Protesten gegen eine demokratie- und emanzipationsfeindliche, rassistische, völkisch-nationalistische, antisoziale und – nicht zu vernachlässigen – militaristische Partei zu beteiligen.

 

Unser originärer Beitrag zur Bekämpfung der AfD ist die neue Ausstellung «Der Arm der Bewegung», die die Neofa-Kommission erarbeitet hat und die hier heute vorgestellt wird. Mit ihr wollen wir den Charakter der AfD, ihre vielfältigen Verbindungen in unterschiedliche rechte Milieus darstellen und auf politische Bedingungen verweisen, die ihr entgegenkommen.

 

 

Kameradinnen und Kameraden,

 

die erste Losung für unseren Kongress heißt  „Deutsche Großmachtträume zum Platzen bringen“ und weist darauf hin, dass die Rechtsentwicklung in unserer Gesellschaft durchaus auch von den aktuell Regierenden vorangetrieben wird.

 

Schon 2014 haben wir die eindeutige und massive Parteinahme der Bundesregierung für die auch von Faschisten befeuerte und gesteuerte Maidan-Revolte in Kiew kritisiert und in die Bestrebungen zur Ausweitung der deutschen Vormachtstellung in Europa eingeordnet. Inzwischen ist die Bundeskanzlerin zur „Patin“ des türkischen Diktators Erdogan geworden, der mit den Milliarden, die er aus Europa für Türsteher-Dienste gegen Flüchtende kassiert, seine Anhängerschaft alimentiert und Gegner mit Willkür und Terror verfolgt.

 

Diesem Modell folgend verhandelt Deutschland mit weiteren Diktatoren, wie sie aufgerüstet werden können, um diejenigen, die vor ihnen fliehen wollen, daran zu hindern sich auf den Weg in Richtung Europa zu machen, z. B. mit dem vom Internationalen Gerichtshof als Kriegsverbrecher ausgeschriebenen Präsidenten des Sudan, Omar Bashir. Auch der Versuch des damaligen Außenministers Steinmeier auf – buchstäblich – Teufel komm raus eine libysche „Einheitsregierung“ zu präsentieren, diente wesentlich dem Zweck mit ihr Verträge über die Kontrolle der libyschen Küste abschließen zu können.

 

Einstweilen patroulliert die Bundesmarine im Mittelmeer, um „Menschenschmuggel“ und „Schleuserbanden“ zu bekämpfen, das heißt, aufgebrachte Flüchtlingsboote  unter Wegnahme von Essen, Wasser und Benzin zur Umkehr zu zwingen. Nur bereits in Seenot geratene Schiffspassagiere werden gerettet, was mit jenen geschieht, die ohne Reserven auf den Rückweg geschickt werden, interessiert niemand.

 

Unterdessen hat die Gauck’sche Ansage von der größeren militärischen „Verantwortung“ Deuschlands, die seiner gewachsenen politischen Bedeutug folgen müsse, materielle Gestalt angenommen. Bis 2030 soll sich der Rüstungsanteil im Bundeshaushalt verdoppeln, die Bundeswehr soll personell deutlich verstärkt und mit neuen Waffensystemen ausgerüstet werden, um an immer mehr Kriegsschauplätzen „deutsche Interessen“ zu vertreten.

 

Einer der neuen Einsatzorte der Bundeswehr ist Mali, wo sich die Bundeswehr am „Krieg gegen den Terror“ beteiligt und ganz nebenbei z. B. in Gao die afrikanischen Migranten, die aus Marokko durch die Wüste abgeschoben wurden, in Empfang nehmen, erkennungsdienstlich behandeln und im Knast abliefern.

 

Der Wahlsieg des ultrareaktionären Hasadeurs Trump in den USA, der mit dem Schlachtruf „America first“ den eigenen Führungsanspruch mit der Forderung nach einem „Lastenausgleich“ verbindet, liefert den willkommenen Vorwand dafür, das Projekt einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft mit Nachdruck voranzutreiben. Gleichzeitig werden Pläne für den möglichen Einsatz der Bundeswehr im Inneren vorangetrieben. Um das notwendige Personal für die Truppe zu rekrutieren, wird an Schulen, bei Ausbildungsmessen und in der Berufsberatung der Arbeitsämter und Jobcentern geworben; die Plakatwerbung ist an Zynismus kaum zu überbieten. Beispiel : „Hier geht es um meine Patienten, nicht um den Profit.“

 

Nun steht die deutsche Aufrüstung natürlich nicht allein. Wir sind mitten in einer Auseinandersetzung um die Neuaufteilung der Welt, um die Kontrolle über Ressourcen, über Öl, Wasser, Boden und Bodenschätze und natürlich um Märkte. Sämtliche Waffenarsenale werden modernisiert, neue atomare Bedrohungen entstehen und der Drohnenkrieg hat längst begonnen. Militärische Machtdemonstrationen sind allgegenwärtig und das südchinesischen Meer könnte der Ort sein, an dem der nächste große Krieg beginnt.

 

Das alles erfordert eine starke Friedensbewegung – oder besser: Antikriegsbewegung. Leider ist dort aber die Mobilisierungsfähigkeit weit von den Notwendigkeiten entfernt und das liegt auch daran, dass in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um den Charakter der „Montags-Mahnwachen“ in den traditionellen Bündnissen das gemeinsame Verständnis von Bündnisarbeit stark gelitten hat.

 

Es gibt zarte neue Pflänzchen in Form neuer regionaler Netzwerkstrukturen, der „Aufschrei“-Initiative gegen Rüstungsexporte oder Bildung ohne Bundeswehr, aber eine gemeinsame Zuspitzung, die Grundlage einer erfolgreichen Kampagne sein könnte, fehlt. Leider sind auch unsere eigenen Strukturen bisher zu wenig entwickelt, um gestaltenden Einfluss nehmen zu können. Zwar haben wir inzwischen eine Bundeskommission „Frieden und Antimilitarismus“, die regelmäßig diskutiert und Material erstellt, aber zum einen sind etliche Landesvereinigungen dort noch nicht vertreten, zum andern ist nicht in jedem Fall die Rückkoppelung mit den Diskussionen und Planungen in den Landesvereinigungen sichergestellt. Da haben wir noch viel zu tun.

 

Liebe Kameradinnen und Kameraden,

 

seit 2007, also volle 10 Jahre haben wir mit der Kampagne nonpd einen Schwerpunkt unserer Arbeit dem Verbot der NPD gewidmet. Ihr alle habt daran mitgewirkt und mit Sicherheit war nonpd in Hinblick auf die Verbreitung und Wirkung eine unserer erfolgreichsten Aktivitäten in den letzten 27 Jahren.

 

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, eine dem Faschismus wesensverwandte Partei, die aggressiv-kämpferisch auf die Beseitigung der verfassungsmäßigen Ordnung hinarbeitet, nicht zu verbieten, weil sie zu schwach sei, ihr Ziel zu erreichen, ist nicht nur eine enttäuschende politische Niederlage, sondern ein Skandal. Noch wissen wir nicht, wie sich das extrem rechte Spektrum neu sortieren wird, welche Rolle die NPD in diesem Spektrum einnehmen wird. Wir werden uns heute Nachmittag auch mit diesem Thema befassen und müssen uns eine Strategie erarbeiten, mit der wir angemessen offensiv auf die neue Situation reagieren.

 

In enger Verbindung mit der Weigerung Faschisten aus dem öffentlichen Leben zu verbannen, steht die nach wie vor in 12 von 16 Bundesländern übliche Beobachtung unserer Vereinigung durch den Inlandsgeheimdienst mit dem irreführenden Namen „Verfassungsschutz“. Ob – wie in Bayern – die Nennung der VVN-BdA im jährlichen Bericht kriminalisierend wirken soll und zugleich mit dem Verlust der Gemeinnützigkeit droht, oder ob der VS uns und einzelne Mitglieder „still“ im Visier hat, Daten speichert um sie bei gegebenem Anlass zu verwenden – beides ist nicht hinnehmbar.

 

Insbesondere in dem Verfahren, das Silvia Gingold zur Zeit gegen den hessischen VS führt, wurde deutlich, das in der Zwischenzeit die elementare inhaltlich Grundlage unserer Arbeit, der Schwur der befreiten Häftlinge von Buchenwald selbst, als verfassungsfeindlich denunziert wird. Die „Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln“ stellt nach Schlapphut-Lesart einen Verweis auf die immer wieder zitierte „orthodox-kommunistische Faschismus-Definition“ dar, derzufolge jede nicht-kommunistische Gesellschaftsform zum Faschismus führe.

 

Das können wir nicht stehen lassen. Wir werden geeignete Initiativen entwickeln müssen, um diesen Angriff zurückzuweisen. Es sollte uns nicht sehr schwer fallen, dafür Bündnispartner zu gewinnen, denn bis heute berufen sich Antifaschistinnen und Antifaschisten aller Art, auch in der SPD und in den Gewerkschaften selbstverständlich auf dieses historische Erbe. Und das Beispiel unserer Bayern zeigt ganz deutlich, dass man auch unter erschwerten Bedingungen mit dieser Auseinandersetzung neue Partner und neue Mitglieder gewinnen kann.

 

Kameradinnen und Kameraden,

 

Ulrich Schneider hat gestern darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass wir uns auf die Zeit ohne „Zeitzeugen“ vorbereiten. Wir haben dazu vor einem knappen Jahr einen ganzen außerordentlichen Bundeskongress veranstaltet. Leider haben dort viele gefehlt, dennoch haben wir dort gute und wegweisende Diskussionen geführt, Gedanken entwickelt und schon existierende gute Beispiele für die Geschichtsarbeit der Zukunft kennengelernt. Einige Kreis- und Landesverbände haben die Konferenz für ihre künftige Arbeit ausgewertet und neue Ideen entwickelt.

 

Wir müssen an diesen Ansätzen dranbleiben und sie weiterentwickeln. Gerade in der Auseinandersetzung mit der erstarkenden Rechten, gewinnt die Erinnerung an den Widerstand an Bedeutung und an Attraktivität vor allem für junge Menschen, die aktiv werden wollen. Das ist das Thema, bei dem niemand mehr zu bieten hat als wir. Das gibt uns die Chance, einen neuen Generationenwechsel einzuleiten, denn die Jungen von 1972 und den Jahren danach sind grau geworden.

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