Kein Reichsparteitag für die AfD!

geschrieben von Maxi Schneider

19. Juni 2026

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100 Jahre danach – wir widersetzen uns!

Am 4. Juli 2026 – auf den Tag genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Parteitag am 3. und 4. Juli 1926 in Weimar – will die neofaschistische AfD im nur 25 Kilometer entfernten Erfurt ihren Bundesparteitag abhalten. Zufall? Wohl kaum.

Immer offener bezieht sich die AfD auf ihre historischen Vorbilder: die deutschen Faschisten unter Hitler, Goebbels, Himmler und Co. Die AfD ist nicht die NSDAP und Deutschland im Jahr 2026 ist nicht Deutschland in den 1920er oder 1930er Jahren. Doch der Blick zurück hilft, unsere Gegenwart besser zu verstehen und zu erkennen: Auf unser Handeln heute kommt es an! Auf jeden Einzelnen!

Mitte der 1920er Jahre war die NSDAP schwach. Ein Putschversuch 1923 scheiterte, Hitler kam ins Gefängnis, die Partei wurde zwischenzeitlich verboten und erst nach Hitlers Entlassung aus der Haft erneut gegründet. Wahlergebnisse und Mitgliederzahlen waren zu diesem Zeitpunkt auf einem Tiefpunkt. Mit dem Parteitag 1926 versuchten die Nazis Stärke zu demonstrieren und sich neu aufzustellen. 4000 SA- uns SS-Schläger marschierten durch Weimar, Hitler ließ sich in der Menschenmenge fotografieren und bejubeln. Eine Machtdemonstration ohne Frage, doch der Aufstieg der Faschisten war zu diesem Zeitpunkt nicht vorprogrammiert. Er hätte verhindert werden können!

10 Jahre später fand der NSDAP-Reichsparteitag 1936 in Nürnberg statt – unter völlig anderen Bedingungen. Eine Woche lang kamen 500.000 Anhänger*innen der NSDAP und der ihr nahestehenden faschistischen Massenorganisationen zusammen, um ihre Politik zu feiern und sich auf ihren Führer Adolf Hitler einschwören zu lassen. Die Faschisten waren seit drei Jahren an der Macht und Deutschland ein völlig anderes Land. Die Kriegsvorbereitungen waren in vollem Gange. Politische Gegner*innen wurden von den Nazis ermordet, eingeschüchtert oder ins Exil getrieben. Jüdinnen_Juden waren aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, wurden angefeindet und attackiert. Auch Sintize und Romnja, arme Menschen, Queers und Schwarze Menschen erlitten Schikane und waren in ihrer Existenz bedroht. Ein normales Leben war für alle, die nicht in die menschenfeindlichen Vorstellungen der Nazis von ihrer „Volksgemeinschaft“ passten, nicht mehr möglich. Gleiches galt für jene, die nicht selbst verfolgt wurden, sich aber standhaft weigerten, das Unerträgliche zu akzeptieren. Nur wenige Jahre später entfalteten die Nazis ihre beispiellose Mordpolitik, töteten Millionen Menschen direkt und entfesselten einen Krieg, der weitere Millionen umbrachte.

Die zentrale Zäsur zwischen 1926 und 1936 war selbstverständlich 1933: Die Machtübertragung auf die NSDAP, der Beginn der Nazi-Herrschaft und das Ende der Weimarer Demokratie. Doch diese Zäsur war nicht die erste auf dem Weg der Faschisten zur Macht.

Ihren ersten parlamentarischen Sieg feierte die NSDAP 1929 in Thüringen. Zum ersten Mal gelang es den Faschisten hier Teil einer Regierung zu werden und mit dem Nazi Wilhelm Frick den Innenminister zu stellen. Frick war ab 1933 Reichsinnenminister und wurde 1946 als Hauptkriegsverbrecher hingerichtet. Als thüringischer Innenminister nutzte er Thüringen von 1930 bis 1933 als Experimentierfeld und baute das Land zum „Mustergau“ um. Er entließ unliebsame Beamte, Verwaltungsmitarbeiter*innen und Polizist*innen und stellte stattdessen seine eigenen Leute ein, fortschrittliche Bücher wurden verboten und jüdische Kunst aus den Museen entfernt.

Wir stehen heute wieder an einem Scheideweg. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern drohen Wahlsiege der AfD. Damit hätte sie direkten Zugriff auf den Verwaltungsapparat und Bildungsbereich sowie die Kulturpolitik inklusive Geschichtspolitik und Gedenken. Das Schreckensszenario einer neofaschistischen Partei an der Macht ist so real wie nie seit 1945. Doch es ist nicht unabwendbar. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass aus diesem 2026 kein 2036 im Sinne der AfD folgen kann. Die Zeit zu handeln ist jetzt, damit 2026 in Erfurt nicht zum Vorspiel wird für eine Welt in der Faschisten das Sagen haben.

Beim ersten NSDAP-Parteitag 1923 sorgten widerständige Eisenbahner und vernünftige Polizisten dafür, dass Nazis nicht anreisen konnten. Wir brauchen heute Widerstand gegen die AfD auf allen Ebenen. Lasst uns den AfD-Delegierten am 4. Juli den Weg nach Erfurt versperren. Jeder leere Stuhl, jede verhinderte Redezeit schwächt das Selbstvertrauen der rechten Hetzer*innen und macht den gesellschaftlichen Gegenwind spürbar. Lasst uns diesen Parteitag für die AfD zum Desaster machen.

Komm am 4.7. nach Erfurt und widersetze dich gemeinsam mit vielen anderen, die nicht tatenlos zuschauen werden, wie Faschisten in diesem Land noch einmal die Macht erlangen!
Unterstütze uns mit einer Spende, falls du selbst nicht kommen kannst! Sprich mit Menschen in deinem Umfeld über die drohende Gefahr und was dagegen getan werden kann! Kein Reichsparteitag für die AfD! Weder jetzt noch in Zukunft! Keine Wiederkehr für Nazis! Nazitreffen zum Desaster machen!

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