„Im besten Sinn gemeinnützig“ – Erklärung von Ernst Grube zum angedrohten Entzug der Gemeinnützigkeit der VVN-BdA

1. September 2026

Als heute fast 94-jähriger jüdischer Überlebender des Ghetto Theresienstadt empfinde ich den neuerlichen Angriff auf die Gemeinnützigkeit der VVN-BdA als ungeheuerlich. Dass rechtsradikale Presse solches Vorgehen von Finanzbehörden lauthals fordert, ist Teil deren Hasspropaganda; dass das Finanzamt Berlin das befolgt, ist ein Skandal.

Die VVN-BdA hat sich unmittelbar nach unserer Befreiung vom Naziterror insbesondere auch der Fürsorge für uns ehemalige NS-Verfolgte und unsere Angehörigen verschrieben. Meine überlebende Mutter Clementine Grube und mein Bruder Werner hatten sich wie ich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes organisiert. Durch sie haben wir politische, moralische Stärkung und Unterstützung erfahren. Gerade als wir Überlebende immer wieder den Einfluss und Nachwirken der zahlreichen NS-Täter in Politik und Behörden spürten und ihm ausgesetzt waren.

Zu dieser zutiefst menschlichen Fürsorge der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes gehört heute zuallererst auch das Engagement gegen die in weiten Teilen rechtsextremistische AFD. Das ist ein Gebot unseres Grundgesetzes, das entstanden ist auf den Trümmern der Nazidiktatur. Dieses Engagement ist deshalb für mich als Überlebender des Naziterrors im besten Sinn gemeinnützig, weil es die gleichen Rechte für alle Menschen und damit die Demokratie schützt.

Ernst Grube, August 2026

Der Holocaust-Überlebende Ernst Grube wurde 1932 als Sohn einer jüdischen Mutter und eines kommunistisch gesinnten Vaters in München geboren. Als Kind erlebte er Entrechtung, Deportation und die Befreiung aus dem Ghetto Theresienstadt. Seit seiner Befreiung engagiert er sich für ein demokratisches, friedliches Deutschland, gegen Ausgrenzung und Unterdrückung, gegen Militarisierung und Krieg – ein Einsatz, für den ihn seine Heimatstadt München u.a. mit dem Georg-Elser-Preis und der Ehrenbürgerwürde auszeichnete. Der bayerische Staat verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz. Ernst Grube ist u.a. im Präsidium der Lagergemeinschaft Dachau und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg.