Ulrich Schneider: Zur Erinnerung an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933

10. Mai 2013

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Grußwort des Frankfurter Oberbürgermeisters

 

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“Die Bücherverbrennungen 1933 waren keine spontanen Aktionen. Sie wurden akribisch geplant und dienten der propagandistischen Inszenierung der nationalsozialistischen Machthaber.

Wir gedenken der Bücherverbrennungen heute mit dem Wissen, dass sie der Auftakt waren, am Ende standen Völkermord und Krieg.

Die Worte Heinrich Heines „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ wurden in bis dahin unvorstellbarer Weise zur Realität.

Am 10. Mai 1933 war es der Frankfurter Römer, auf dem die Werke von Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Erich Kästner, Sigmund Freud und vieler anderer brannten. Es war die europäische Moderne, völkerverbindender, zivilisatorischer Geist, den sich die neuen Machthaber – nicht ohne Grund – zum Ziel ihres Angriffs gewählt hatten.

Unter den Augen von fünfzehntausend Menschen versammelten sich am Abend des 10. Mai 1933 auf dem Römerberg Horden der Frankfurter NS-Studentenschaft, begleitet von zahlreichen Dozenten, um die zuvor von ihnen in Frankfurter Universitätsinstituten und Bibliotheken geraubten Bücher unzähliger Schriftsteller, Publizisten und Wissenschaftler zu verbrennen.

Es ist der Initiative engagierter Frankfurterinnen und Frankfurter zu danken, dass

heute auf dem Römer eine Gedenktafel an diesen mittelalterlichen Zivilisationsbruch erinnert.

Bei der Einweihung dieser Gedenktafel sagte der damalige Kulturdezernent unserer Stadt, Herr Dr. Hans-Bernhard Nordhoff: „Und ein Zeichen wollen wir setzen für die verbrannten Bücher, für das Wort des Andersdenkenden und für den freien Geist, der hier geschändet wurde.“

Sie setzen mit Ihrer Gedenkveranstaltung zum 80igsten Jahrestag der Bücherverbrennung in Frankfurt ein weiteres, wichtiges Zeichen gegen das Vergessen und für eine eindringliche Mahnung an die folgenden Generationen: Nie wieder!

Die Stadt Frankfurt und ihr Oberbürgermeister stehen an Ihrer Seite und danken Ihnen dafür.”

Mit solidarischen Grüßen

Peter Feldmann

Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main

Frankfurt am Main, 22.04.2013

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