Dem Vermächtnis der Gründer verpflichtet

12. April 2011

Interessant und lebendig ging es auf unserem Bundeskongress Anfang April zu. Über 7.000 Mitglieder gehören der ältesten und zugleich größten antifaschistischen Organisation in der Bundesrepublik an.

Da sind die (leider immer weniger werdenden) Gründungsmitglieder, die Widerstand, Verfolgung und Exil überlebten und den antifaschistischen Neubeginn nach 1945 mitgestalteten. Zur Eröffnung sprachen der 98-jährige Erwin Schulz, Häftling im Zuchthaus Luckau und in den Moorlagern Papenburg und Esterwegen, sowie Adam König, Überlebender der Konzentrationslager Sachsenhausen und Auschwitz und Vertreter im Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Der Kongress bewies eindrücklich, dass die nächsten Generationen – Angehörige von Verfolgten des Naziregimes oder aus einem anderen familiären Hintergrund kommend – dem Vermächtnis der Gründergeneration verpflichtet, ihre Arbeit mit viel Engagement fortsetzt.

In der Auseinandersetzung mit Neofaschismus, Rechtspopulismus, Rassismus, Antisemitismus, mit der Militarisierung der Gesellschaft und im Einsatz für Frieden und Abrüstung zeigt sich die Aktualität des Schwures der befreiten Häftlinge von Buchenwald, für eine Welt des Friedens und der Freiheit einzutreten. So wie es in Dresden gelungen ist, den Aufmarsch der Neonazis zu verhindern, werden wir in breiten Bündnissen dafür sorgen [besser: alles dafür tun], dass neofaschistische und rechtspopulistische Parteien nicht wieder in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und in Berliner Bezirksparlamente kommen.

Menschenrechte, Zivilcourage und Widerstand im 21. Jahrhundert gründen sich auf das Wissen um die Ursachen, die zu Faschismus und Krieg führten, auf Kenntnisse von Widerstand und Verfolgung und auf das Wachhalten der Erinnerung an die Widerstandskämpfer und die Opfer des Naziregimes. Eine zentrale Aufgabe für unseren Verband bleibt, die vielfältige antifaschistische Erinnerungskultur zu bewahren, zu beleben und sie gleichzeitig zu erweitern. Darin verkörpern sich Kompetenz und Einzigartigkeit unserer Organisation.

Leider blieb auf dem Bundeskongress nicht genügend Zeit für die Diskussion vieler anstehender Fragen. Dafür benötigen wir, darauf orientiert der Antrag des Berliner Verbandes, bundesweite Diskussionsforen zu schaffen, so zum Gedenken ohne „Zeitzeugen“, zum Einfluss auf große und regionale Gedenkstätten, zu neuen Wegen antifaschistischer Gedenkkultur, zum Verhältnis der Organisation der Verfolgten des Naziregimes zu Israel, zur Verhinderung von Naziaufmärschen und anderen Fragen mehr.

Die vielfältigen Aufgaben in der Berliner VVN-BdA erfordern weiterhin aktive Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Seit 2008 konnten wir 142 neue Mitglieder begrüßen. Unser besonderer Dank gilt der bewährten aktiven und solidarischen Unterstützung vieler Mitglieder und Freunde, ohne die wir die umfangreiche Arbeit seit dem letzten Bundeskongress nicht hätten leisten können.

Hans Coppi, „Unser Blatt“ 47,
Informationsblatt der Berliner VVN-BdA